Einsamkeit: Erkennen. Verstehen. Überwinden.

Bin ich alleine oder einsam? Was ist Einsamkeit? Was kann ich dagegen tun? Wir geben dir Antworten auf deine Fragen

Die kalten Monate des Jahres sind ein wahres Minenfeld für Singles, die unter Einsamkeit leiden. Angefangen im verregneten November, über den Advent und die Weihnachtszeit, zu Silvester, Neujahr und Valentinstag: es wird einem immer und immer wieder unter die Nase gerieben, dass man es nicht geschafft hat einen Partner zu finden, mit dem man diese Zeit in trauter Zweisamkeit verbringen kann.

Bist du einsam? Mache den Test!

Doch wer sich einsam fühlt, der tut dies nicht nur im Winter, sondern auch im Frühjahr, Sommer und Herbst. 

An Sonntagen, die den Paaren dieser Welt vorbehalten sind für Spaziergänge und zum Tatort schauen.

Am eigenen Geburtstag, an dem man zwar Anrufe und Nachrichten erhält, aber keinen Kuss von dem Menschen, den man liebt. 

Im Urlaub, den man nun für sich selbst oder mit Freunden bucht oder an einem hundsgewöhnlichen Dienstagabend, den man allein auf der Couch verbringt und sich eine ganze Staffel der Lieblingsserie anschaut, ohne sie mit jemandem diskutieren zu können.

Was ist Einsamkeit?

Zunächst gilt zu unterscheiden: bin ich wirklich einsam oder nur alleine? Als Single ist man ohne Partner, also ohne direkte Bezugsperson. „Alleinstehend“ ist hier das Zauberwort. Doch man kann alleine sein, ohne einsam zu sein.

Alleine sein…

  • … kann man genießen: für den Beauty-Tag, zum lesen oder um das neueste Sportgerät auszuprobieren braucht man keinen Partner
  • … sieht man als Vorteil: im TV anschauen, was man will, das Haus verlassen, ohne jemandem Bescheid geben zu müssen, den Müll auch mal eine Woche länger stehen lassen
  • … gibt einem Zeit: man kann Dinge erledigen oder einfach den eigenen Gedanken nachhängen, ohne Rücksicht auf jemand anderen zu nehmen

Einsamkeit hingegen…

  • … ist soziale Isolation, die in der Regel von einem selbst ausgeht
  • … ist aber nicht an die Präsenz oder nicht-Präsenz anderer Menschen gebunden
  • … sondern an die gefühlt fehlende Beachtung und Wertschätzung durch andere
  • … zeugt häufig von der eigenen Unzufriedenheit mit bestehenden Beziehungen und mit sich selbst
  • … taucht in jedem Alter und in jeder Lebenssituation auf
  • … ist ein Gefühl und kein Zustand!

Wann entsteht Einsamkeit?

Vor allem wenn sich im Leben etwas drastisch ändert, gerät man in Gefahr sich im Strudel der Einsamkeit zu verfangen. Umzug, Jobwechsel, der Verlust eines nahestehenden Menschen. Zu letzterem zählt auch die Trennung von einem Partner, insbesondere wenn man mit diesem durch eine langjährige Beziehung verbunden war.

Wenn man selbst jemanden verlässt, kann sich das wie ein Befreiungsschlag anfühlen. Doch trotzdem folgt auf solch eine Veränderung häufig Angst und Unsicherheit. Liebeskummer paart sich mit Zukunftsangst.

Man fühlt sich verloren und missverstanden und oft versucht man krampfhaft alles dagegen zu tun, in die Einsamkeit abzutriften. Man knüpft viele oberflächliche Verbindungen, versucht alles auf einmal und möglichst perfekt zu machen, um sich selbst nicht die Chance zu geben zu leiden. 

Doch oft trifft es einen dann wie einen Hammerschlag: denn dadurch, dass man es sich selbst nicht eingesteht, Angst vor der Einsamkeit zu haben, teilt man sich auch nicht engen Freunden mit. Diese denken dann, dass es einem gut geht. Man selbst fühlt aber sich im Stich gelassen, denn es bemerkt ja niemand wie schlecht es einem wirklich geht. 

Und mit dieser Selbstmanipulation fängt der ganze Ärger an.

Welche Arten von Einsamkeit gibt es?

Man unterscheidet zwei Formen der Einsamkeit: 

Die soziale Einsamkeit

Hier liegt ein Mangel an sozialer Integration vor. Du kapselst dich ab, hast kaum Freunde und bei deiner Familie meldest du dich auch nicht? Das ist der erste Schritt in die Isolation. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Unterdrück nicht Triebe, die sich nicht unterdrücken lassen!

Die emotionale Einsamkeit

Dir fehlt eine feste Vertrauensperson. In der Regel sollte dies der eigene Partner sein. Hat man keinen, sucht man diese Vertrauensperson im Freundeskreis oder der eigenen Familie. Jeder Mensch braucht jemanden, dem er bedingungslos vertrauen kann, der genauso für einen da ist wie man selbst für ihn da ist.

Beide Arten sind einschränkend, kommen oft miteinander daher und können bis hin zur Depression führen. Hier ist auf jeden Fall der professionelle Rat eines Psychologen gefragt!

Wer ist einsam?

  • Singles: ob frisch getrennt oder eingefleischter Single - es ist nicht zu unterschätzen, was Einsamkeit mit einem anrichten kann
  • Menschen in Beziehungen: selbst in einer langjährigen Ehe kann man sich einsam und verlassen fühlen
  • Jugendliche: die Zeit der Pubertät ist eine der unbeständigsten überhaupt. Man fühlt sich leicht missverstanden (von Bezugspersonen wie Eltern und Lehrer) und ausgegrenzt (von Freunden, Mitschülern oder dem Schwarm)
  • Senioren: der Verlust des Partners, die immer seltener werdenden Anrufe der eigenen Kinder und Enkel. Die Gefahr der Einsamkeit und Isolation steigt mit dem Alter.

Die 3 Phasen der Einsamkeit

Einsamkeit lässt sich in drei Stufen gliedern:

I. Die momentane oder vorübergehende Einsamkeit

Unter dieser Form leidet jeder Mensch immer mal wieder. Jeder einzelne. In der Jugend und im Alter ist es besonders häufig, bei Singles sowieso. Doch auch Menschen in Beziehungen können sich hin und wieder einsam fühlen. Doch in der Regel verschwindet sie von selbst wieder.

II. Der langsame Rückzug

Man fühlt sich schon nicht mehr nur ab und zu alleine, sondern regelmäßig einsam. Der Kontakt zu anderen fällt einem schwerer, er strengt einen an und tut einem sogar fast weh: Wieso geht es denen gut und mir nicht?

III. Die chronische Einsamkeit 

Nun ist das sprichwörtliche Kind im Brunnen schon fast ertrunken. Man hat sich selbst in der Einsamkeit verschlossen und dadurch eine Bindungsangst entwickelt, die es einem fast unmöglich macht tiefes Vertrauen zu Menschen zu fassen.

Was Einsamkeit so gefährlich macht

Wer kennt ihn nicht, den schon körperlichen Schmerz den beispielsweise ernsthafter Liebeskummer mit sich bringt? Der ist tatsächlich keine Einbildung sondern ein Warnsignal des Körpers. Und er kann einen auch unverhofft treffen, selbst wenn man keinen akuten Liebeskummer hat, abends im Bett oder morgens über der einsamen Tasse Kaffee.

Denn eines mag der Mensch einfach nicht: sozial abgeschottet zu sein, nicht geliebt und gebraucht zu werden. Wir sind absolut soziale Wesen und dieses steinzeitliche Bedürfnis zu erfüllen hilft uns, gesund und glücklich zu bleiben.

Also ist Einsamkeit wie eine Krankheit anzusehen. Neuesten Forschungen zu Folge wirkt sie auf den Körper ähnlich wie zu hohes Gewicht: man wird schneller krank, ist schlapp und das Herz-Kreislauf-System ist geschwächt.

Grund genug, sich so schnell es geht davon zu erholen und am besten nicht mehr in ihren Bann zu geraten.

Hilfe! Was tun gegen Einsamkeit? 10 Tipps:

1. Lerne Selbstliebe

Ja, klingt abgedroschen. Aber doch ist es so wichtig! Nur, wer mit sich selbst zufrieden ist, akzeptiert auch die Liebe von anderen ohne Zweifel.

Immer mal wieder kommen einem Gedanken wie „Ja, jetzt mag er mich schon, aber wenn er erst mal meine Speckrollen gesehen hat…“ oder „Nun ja, oberflächlich bin ich eben ein netter Typ. Aber ich bin bisweilen auch etwas komisch und wer soll da längerfristig Zeit mit mir verbringen wollen?“. 

Diese Gedanken hat jeder mal. Aber wenn du soweit bist, dass du denkst: „Cool, er mag mich! Da sind meine Speckröllchen auch kein Dämpfer.“ oder „Ich bin nett und habe meinen eigenen Charakter. Es gibt Menschen die es mögen und Menschen die es nicht mögen. Letztere können mir egal sein!“ dann bist du auf einem guten Weg Richtung Selbstakzeptanz. Und wer sich selbst mag, mag es auch von anderen gemocht zu werden.

2. Lerne allein zu sein

Das schließt sich direkt an die Selbstliebe an. Wer es nicht gewohnt ist, wird damit so seine Schwierigkeiten haben. Soziale Medien wie Instagram und Twitter, aber auch der gute alte Fernseher, geben einem die Illusion nicht alleine zu sein. 

Aber mit der Zeit erkennst du, dass allein sein sehr schön und wohltuend sein kann. Vor allem ohne Smartphone oder TV. Du willst einen neuen Film im Kino anschauen aber keiner deiner Freunde hat Zeit? Geh alleine! Das Wetter ist super, aber dein bester Freund ist mit seiner Freundin unterwegs? Schnapp dir dein Rad und bretter los! Genieße es auch mal für dich zu sein.

3. Hilf anderen

Ob in einer gemeinnützigen Organisation, deiner eigenen Großmutter oder den Hunden im Tierheim: anderen deine Zeit zu schenken, die sie nicht verlangen, sich aber dennoch darüber freuen, gibt dir ein gutes Gefühl und zieht dich raus aus deinem Alltag. Hilfe wird überall gebraucht, du musst sie nur anbieten! Das Gefühl gebraucht zu werden steigert dein Selbstwertgefühl ungemein.

4. Sei aktiv

Bewegung schüttet Endorphine aus. Sport ist also nicht Mord, im Gegenteil! Sport macht glücklich und gesund. Der richtige muss es nur sein. Jeder hat andere Präferenzen, wenn du lieber jeden Tag eine Stunde spazieren gehst statt im Fitnessstudio zu schwitzen, dann tu es!

Der Vorteil von Gruppen- oder Vereinssport ist außerdem, dass du neue Menschen kennenlernen kannst.

5. Lerne Neues

Du wolltest schon immer mal auf eine Vernissage gehen, Salsa tanzen lernen oder in einem Café arbeiten? Versuche es! Und wenn es dir nicht gefällt, bist du um eine Erfahrung und eine lustige Geschichte reicher.

6. Öffne dich für neue Beziehungen

Der wohl schwerste Part. Oft ist man so voller Bindungsangst, dass man zwar viele neue Kontakte knüpft, aber kaum in der Lage ist, ernsthafte Beziehungen einzugehen. Dieses Vertrauen zu fassen kostet Mut, denn die Gefahr verletzt zu werden ist allgegenwärtig. Doch die Angst davor führt zum Stillstand und der Stillstand wieder zur Isolation. 

Nimm also all deinen Mut zusammen und gebe neuen Menschen oder alten Bekanntschaften eine Chance! Auch viele Online-Plattformen bieten dir eine Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen oder dich sogar wieder zu verlieben.

7. Sei geduldig

Und nun gilt es: nichts überstürzen. Gerade wenn man sehr einsam war hat mein ein utopisches Bild davon, wie eine neue Beziehung oder Freundschaft verlaufen soll. Doch alles braucht seine Zeit - vor allem du selbst! Schau dir genau an, wen du da vor dir hast, warum er dir ein gutes Gefühl gibt und wo vielleicht Zweifel auftauchen. Im besten Fall kannst du offen mit ihm oder ihr darüber reden und dein Gegenüber hat Verständnis und rennt nicht schreiend davon. Wenn die auserwählte Person letzteres tut, ist sie deiner Aufmerksamkeit sowieso nicht wert.

8. Lass alles raus

Eine Runde schreien gefälligst? Oder doch lieber Tagebuch schreiben? Egal wie, lass deinen Gefühlen auch mal freien Lauf. Mach laute Musik an und spring und tanz durch deine Wohnung. Es muss nicht die Partyeskalation am Samstag sein, es reicht auch mal einfach nur für sich selbst die Sau raus zu lassen.

9. Finger weg von Drogen!

Ob Alkohol oder anderes Zeug: Drogen betäuben. Das kann ganz nett sein und hilft einem manchmal auch aus dem Einsamkeitsgefühl. Doch dann trifft es dich am nächsten Tag umso härter, wenn du alleine und verkatert auf der Couch liegst.

Solange es dir nicht gut geht gilt: genieße in Maßen oder lass es lieber erst Mal ganz bleiben.

10. Wenn du nicht mehr weiter weißt…

… suche dir professionelle Hilfe. Wenn du unsere Tipps gelesen hast, es dich aber schon Anstrengung kostet nur darüber nachzudenken sie umzusetzen, dann ist die Einsamkeit schon zu einem festen Partner in deinem Leben geworden. Dem gilt es so schnell wie möglich entgegen zu wirken, im Idealfall mit Hilfe eines Psychologen.

Last but not least

Vergiss nicht: auch wenn es sich so anfühlt, du bist nicht der einzige einsame Mensch auf der Welt. Es gibt tausende und abertausende von ihnen! Das Internet ist eine gute Möglichkeit sich zu finden und auszutauschen.

Verharre aber nicht in virtuellen Beziehungen, sondern gib dem im realen Leben eine Chance. Versuche beispielsweise über Singlebörsen oder Partnervermittlungen Menschen zu finden, die du gerne persönlich kennenlernen willst und die es wert sind einen dauerhaften Platz in deinem Leben zu erhalten!

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